OÖ - Die Baumartenvielfalt nimmt zu

OÖ - Die Baumartenvielfalt nimmt zu

Erfreulich ist, dass die Schadflächen mit Mischbaumarten wieder aufgeforstet wurden. Der ökologisch wertvolle Laubwaldanteil hat sich bei den geförderten Aufforstungen deutlich erhöht, Eiche, Buche und Bergahorn führen die Statistik an. Aber auch die wirtschaftlich notwendigen Nadelhölzer wie Tanne, Lärche und Douglasie wurden gepflanz

Die Schadholzmengen infolge Borkenkäfer, Sturm und Schneedruck betrugen in den letzten fünf Jahren über acht Millionen Festmeter. Daraus resultierten große Kahlflächen in den heimischen Wäldern. Die Schadhölzer wurden von den Waldeigentümer/innen überwiegend rasch aufgearbeitet. Vom Forstdienst und den Forstbehörden ergingen mehr als 17.000 Aufforderungen zur Borkenkäferbekämpfung. Die Gefahr durch den Borkenkäfer ist noch nicht gebannt, er ist mittlerweile in den Schutzwald der Gebirgsbezirke vorgedrungen.

„Einen wesentlichen Anreiz zur notwendigen Wiederaufforstung leisten die vom Oö. Landesforstdienst abgewickelten forstlichen Förderungen. Mit 20 Millionen Euro an Landesmitteln wurden in den letzten fünf Jahren 15 Millionen Bäume gepflanzt. Der entstehende Jungwald ist mit seiner erhöhten Baumartenvielfalt entschieden besser an die sich verändernden klimatischen Bedingungen angepasst. Mein Dank gilt besonders auch den vielen engagierten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, die ihreArbeitskraft für die kommenden Generationen einsetzen“, freut sich Landesrat Max Hiegelsberger.

Borkenkäfer Geschehen 2020: Entspannung aber keine Entwarnung: Kontrollgänge und saubere Aufarbeitung auch über Wintermonate erforderlich

Im Jahr 2020 sind, auch begünstigt durch die Witterung in den Sommermonaten, die Schadholzmengen in den Hauptschadensgebieten der vergangenen Jahre deutlich rückläufig. Der Borkenkäfer gibt sich aber keinesfalls geschlagen „Wir gehen für das Jahr 2020 gegenüber Normaljahren von deutlich erhöhten Schadholzmengen von mindestens 600.000 Festmeter aus. Die Situation ist nach wie vor angespannt, weil sich der Borkenkäferbefall in Richtung Gebirge und Schutzwald verlagert. Es müssen daher die Wälder auch über die Wintermonate sorgfältig auf Borkenkäferbefallüberprüft werden und Befallsherde sauber aufgearbeitet werden“,appelliert LR Max Hiegelsberger.

Die Schadhölzer wurden von den Waldeigentümer/innen überwiegend rasch aufgearbeitet. Die Forstaufsicht durch den Forstdienst des Landes hat der Schadholzaufarbeitung durch forstbehördliche Aufforderungen ebenfalls enormes Augenmerk gewidmet. So wurden in den letzten fünf Jahren insgesamt rund 17.000 und jährlich durchschnittlich rund 3.500 forstbehördliche Aufforderungen zum Entfernen von Borkenkäferholz erteilt und alle wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die Borkenkäfer-Massenvermehrung zu verhindern oder einzudämmen.

Aufforstung mit Mischbaumarten

Es gilt aber den Blick weiter nach vorne zu richten und die Wiederbewaldung der Kahlflächen anzugehen. Der sich verschärfende Klimawandel erfordert eine anhaltende Änderung der Waldbewirtschaftung, andere Baumarten und eine höhere Vielfalt der aufgeforsteten Baumarten. Die Waldbesitzer setzen zunehmend Baumarten, die mit den trockeneren und wärmeren Bedingungen besser zurechtkommen. „Allein In den letzten fünf Jahren wurden insgesamt rund 15 Millionen Forstpflanzen ausgesetzt. Das ist nicht nur ein Beitrag zur Erhaltung der Waldwirkungen nach dem Forstgesetz, sondern auch eine enorme Klimaschutzleistung für die Gesellschaft. Der ökologisch wertvolle Laubwaldanteil hat sich bei den geförderten Aufforstungen deutlich erhöht und beträgt aktuell 50 Prozent“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Den höchsten Laubholzanteil macht die Eiche mit 20 Prozent aus, gefolgt von 15 Prozent Buche, 10 Prozent Ahorn und 5 Prozent Edellaubbaumarten wie Kirsche und Nussbäume. Die wirtschaftlich notwendigen Nadelhölzer wie Tanne, Lärche und Douglasie nehmen ebenfalls 50 Prozent der aufgeforsteten Bäume ein. Mit nur mehr 15 Prozent Fichte, dafür auch 15 Prozent Tanne, zwölf Prozent Lärche und acht Prozent Douglasie ist auch hier die neue Vielfalt sichtbar (siehe Abbildung 1).

„Durch die Erfüllung der Abschusspläne hat auch die Jagd ihren Beitrag zum Aufkommen der Verjüngung erbracht. Da aber die Mischbaumarten und ganz besonders die Eiche sehr verbissempfindlich sind, ist eine weitere konsequente Bejagung derJungwuchsflächen erforderlich“, führt Hiegelsberger aus.

Mischwälder für die Zukunft – Eiche ist mit 20 Prozent Anteil Favorit

„Es gibt den waldbaulichen Grundsatz: Soviel ökologisch wertvolle Mischbaumarten wie notwendig und so viele Wirtschaftsbaumarten wie möglich. So schafft es die naturnahe Forstwirtschaft, stabile, gesunde und naturnahe aber auch leistungsstarke Wälder zu begründen. In Lagen bis 500 m kommt der Eichen künftig eine besondere Bedeutung zu. So ist auch der Eichenanteil mit 20 Prozent so hoch wie nie zuvor“, so Landesforstdirektorin Diin Elfriede Moser:„Das liegt sicher auch an der hohen öffentlichen Unterstützung von biszu 9.000 Euro pro Hektar für Eichenaufforstungen.“

Die Zuwachsleistung der Eichen ist unterschätzt. „Gerade im Oö.Alpenvorland ist die Eiche eine wertvolle Zukunftsbaumart, die mit dem Herzpfahlwurzelsystem die tiefen Bodenhorizonte zu erschließenvermag und so Trockenphasen sehr gut überstehen kann“, ergänzt Landesforstdirektorin Moser. Die wärmeliebende Eiche erhöht zudem die Biodiversität im Wald stark. Mit modernen Waldbauverfahren lässt sich in rd. 80 bis 90 Jahren wertvolles Holz erzielen. Ahorn auf geeigneten Standorten kann ebenfalls eine sehr gute Wertleistung erzielen; gleiches gilt für Kirsche und Nuss, nur benötigen diese anfangs eine intensive Pflege.

Nadelhölzer bleiben wichtig und erhöhen die Lebensraumvielfalt

Tanne, Lärche und Douglasie ersetzen zunehmend die Fichte in den tieferen Lagen und sind gleichermaßen interessante Wirtschaftsbaumarten. Unter den Nadelhölzern weisen sowohl Tanne als auch Douglasie höhere Zuwächse als die Fichte auf. Beide kommen gegenüber Fichte besser mit wärmeren und trockeneren Bedingungen zurecht. Die Lärche ist eine ideale Baumart für die Beimischung, da sie die Bestände stabilisiert und hochbezahltes Holz liefert. „Die meisten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer halten sich an die Regel, dass Mischwald aus zumindest vier Baumarten zu bestehen hat. Das bringt auch für den Waldboden Vorteile und erhöht den ökologischen Wert der Wälder. Das Umdenken der Waldeigentümer hat schon vor gut 30 Jahren eingesetzt, die Borkenkäferproblematik hat dies naturgemäß noch deutlich verstärkt“,so Landesforstdirektorin Diin Elfriede Moser.

Waldbesitzer leisten unbezahlbare Waldpflege

Alleine mit der richtigen Baumartenwahl bei der Aufforstung ist es aber noch nicht getan. Das Ausmähen der Bäumchen in den ersten Jahren ist enorm arbeitsintensiv. In 10 bis 20 - jährigen Beständen sind anschließend die besten und kräftigsten Bäume von ihren Bedrängern zu befreien, damit gemischte und stabile Wälder entstehen. Diese sind dann sowohl gegen Trockenheit als auch gegen Wind, Schnee und Schadinsekten wesentlich widerstandsfähiger als die bisherigen fichtenreichen Wälder. Für die Pflege werden rund 2.000 Euro pro Hektar an Förderungen gewährt. Die für die weitere Entwicklung der Wälder so wichtige Standraumregulierung wird sodann mit bis zu 1.080 Euro pro Hektar gefördert. „Die Anlage und Pflege gesunder, artenreicher und wirtschaftlicher Wälder ist eine wesentliche Zukunftsinvestition, die hohen persönlichen Einsatz erfordert. Diese Leistung der Waldbesitzer für kommende Generationen ist von hohem öffentlichem Interesse. Jeder ausbezahlte öffentliche Euro für Forstförderungen ist daher gut investiert“, so Landesrat Hiegelsberger.

20 Millionen Euro Forstförderung aufgrund starker Nachfrage

Insgesamt wurden in der Forstlichen Förderung bisher 5.821 Förderungsfälle mit einer bewilligten Fördersumme von rund 20 Millionen Euro gestellt. Die Anträge auf Förderung der Wiederaufforstung zur Stärkung der Resistenz und des ökologischen Wert des Waldes sowie die Förderungsanträge für Forstschutzmaßnahmen haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Obwohl das Jahr 2020 noch nicht zu Ende ist, wurden noch nie so viele Förderungsanträge wie heuer eingereicht. Der Bund hat daher die Finanzmittel für das Bundesland OÖ deutlich erhöht.

 

Ab Frühjahr 2021 Unterstützung aus dem Waldfonds

Ab dem Jahr 2021 stehen im Rahmen des Waldfondsgesetzes weitere Förderungen zur Unterstützung klimafitter, artenreicher Wälder, zur Abgeltung von Borkenkäferschäden und zur Stärkung der Verwendung des Rohstoffes Holz zur Verfügung.

Bilanz der letzten fünf Jahre: 8.2 Millionen Festmeter Schadholz

Die forstlichen Kalamitäten haben in den letzten fünf Jahren in den oö. Wäldern ein noch nie da gewesenes Schadensausmaß verursacht.

Die Schadholzmengen durch Borkenkäfer, Sturm und Schneedruck betrugen in den Jahren 2016 bis 2020 über acht Millionen Festmeter (fm). Vor allem der Borkenkäfer, auf den mit rund 4,3 Millionen mehr als die Hälfte des angefallenen Schadholzes entfallen, hat viele Fichtenbestände in den tieferen Lagen hinweggerafft. Rund zwei Millionen fm Schadholz sind durch Stürme, rund eine Million fm durch Schneeschadensereignisse, sowie rund 700.000 fm durch das Eschentriebsterben und sonstige Fäulepilze angefallen (siehe Abbildung 3).

Quelle: Land OÖ  //  Fotocredit: ©Sabrina Liedl

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