Noch mehr Bäume für die Stadt - Große Wiener Baumpflanz-Offensive im Herbst

Noch mehr Bäume für die Stadt - Große Wiener Baumpflanz-Offensive im Herbst

Wasser-Reserve für Nachwuchs-Bäume: Im ganzen Stadtgebiet sind mehr als 10.850 Stück Gieß-Bags für Jungbäume im Einsatz, die in regelmäßigen Intervallen von den Wiener StadtgärtnerInnen befüllt werden

Die Millionenstadt Wien hat schon heute einen Grünflächenanteil von 53 Prozent, ist seit zehn Jahren die lebenswerteste Stadt der Welt und seit heuer auch die „Greenes City“ weltweit. „Darauf ruhen wir uns aber nicht aus, sondern setzen weiterhin massiv auf Begrünung in unsere Stadt - auch als Antwort auf den Klimawandel“, erklärt Umweltstadträtin Ulli Sima. Die Wiener Stadtbäume spielen dabei eine wesentliche Rolle – sie bringen kühlendes Grün in dicht besiedelte Stadtgebiete, sie binden Feinstaub und CO2 und geben gleichzeitig lebenswichtigen Sauerstoff ab: „Noch mehr Bäume und Grünflächen sowie weniger Asphalt und Beton sind in Zeiten von steigenden Temperaturen und immer häufigeren Hitzesommern wichtige Ziele für die Klimamusterstadt Wien“,so Umweltstadträtin Ulli Sima. Der hohe Baumbestand in der Stadt von rund einer halben Million ist kein Zufall, sondern harte und konsequente Arbeit, hinter der eine ausgeklügelte Strategie steckt, die auch international Beachtung findet“, so Sima weiter.

Denn die BaumexpertInnen der Wiener Stadtgärten (MA 42) tragen durch die richtige Auswahl, Kultivierung und Pflege der rund 500.000 Bäume dazu bei, dass Wien die grünste Stadt der Welt ist. Die Wiener Stadtbäume müssen dabei den hohen Anforderungen, die der Lebensraum Stadt an sie stellt, genügen. Jährlich werden in Wien rund 4.500 Bäume neu gepflanzt. Ein Großteil davon wird jetzt im Herbst gepflanzt, weil das die beste Zeit dafür ist. In dieser Jahreszeit kann sich der Baum am besten anwurzeln und hat somit die idealen Startbedingungen in sein Baumleben. Die Wiener Stadtgärten sorgen mit einem Maßnahmenpaket weiterhin dafür, dass Wien die lebenswerteste Stadt mit klimafreundlicher Strategie bleibt.

Spezielles Baumsortiment mit 30 robusten Baumarten

Gemeinsam mit nationalen und internationalen Experten haben die Wiener Stadtgärten in den letzten Jahren eine Liste jener Baumarten erarbeitet, die mit den besonderen Gegebenheiten einer Stadt gut zurechtkommen: Nämlich den erhöhten Stressfaktoren durch Verkehr, Bodenverdichtung, eingeklemmte Wurzeln, Erschütterungen und auch durch die Abstrahlhitze von Glas- und Betonflächen, den vermehrten Hitzetagen - einer Folge des spürbaren KIimawandel. Insgesamt finden sich im Baumsortiment der Wiener Stadtgärten rund 30 verschiedene Baumarten. Einer dieser „robusten“ Sorten ist der Celtis (Zürgelbaum) der in Wien seit rund 10 Jahren verstärkt bei Neu- und Nachpflanzungen eingesetzt wird, da er mit dem „Extremstandort Stadt“ am besten zurechtkommt.

Patentiertes Baumsubstrat der Wiener Stadtgärten

Bei Pflanzungen von Jungbäumen im Straßenbereich wird ein von den Wiener StadtgärtnerInnen, gemeinsam mit WissenschaftlerInnen, neu entwickeltes Baumsubstrat eingesetzt. Es besteht aus organischen und mineralischen Substanzen, die eine verbesserte Wasserspeicherfähigkeit und gute Durchlüftung garantiert. Das Substrat ist kostengünstiger und alle für die Erstellung verwendeten Materialien kommen aus Wien oder der näheren Umgebung - die Substrat-Mischung wird von den Wiener StadtgärtnerInnen selbst hergestellt. Auf das „Wiener Bausubstrat für Straßenbäume“ wurde den Wiener Stadtgärten ein Patent erteilt.

Innovation der Wiener Stadtgärten: „Schwammstadt-Prinzip“

Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung auch für die Bäume und die Stadt Wien beschreitet hier neue Wege mit dem sogenannten „Schwammstadt-Prinzip“. Dieses kommt erstmals im großen Stil im Stadterweiterungsgebiet Seestadt Nord zum Einsatz, um Bäume für die Folgen des Klimawandels fit zu machen. Es wurde von den Wiener Stadtgärten gemeinsam mit WissenschaftlerInnen und LandschaftsarchitektInnen entwickelt und sorgt dafür, dass die Bäume auch bei großer Hitze und längerer Trockenheit ausreichend Wasser bekommen.

So funktioniert’s: Das Prinzip der Schwammstadt

Eine effektive Möglichkeit den Bäumen am städtischen Standort nachhaltig das Überleben zu erleichtern ist es, den Wurzelraum unter den Straßen – also auch unter Fahrbahnen, Parkplätzen, Gehwegen – zu erweitern. Das Schwammstadt-Prinzip schafft mehr Platz, Wasser und Luft für die Baumwurzeln: Unterhalb der befestigten Oberflächen im Straßenraum werden Schotterkörper geschaffen. Die Bäume stehen wie üblich in ihren Baumscheiben, haben aber direkten Kontakt zu den lockeren Schotterkörpern und können diese verwurzeln. Das anfallende Oberflächenwasser wird z.B. über Absetzbecken gefiltert, in den Schwammkörper geleitet und hier verteilt. Regenwasser wird so gespeichert sowie zurückgehalten und steht den Bäumen länger zu Verfügung. 

Gießtrupps kümmern sich um Stadtbäume

In der ganzen Stadt gibt es rund 1.000 automatische Bewässerungsanlagen. Alle neu gepflanzten Bäume werden drei Jahre lang, mindestens einmal wöchentlich, händisch gegossen. Bis zu 150 Personen sind täglich mit rund 50 Gießfahrzeugen im Einsatz und bewässern Wiens Stadtbäume mit täglich rund 400.000 Liter Wasser. Für den heurigen Sommer werden weitere Maßnahmen gesetzt, so werden weitere 12 Bewässerungsanhänger, 7 Bewässerungssysteme für LKWs angeschafft und an heißen Tagen die Gießintervalle verdoppelt. Die Wiener StadtgärtnerInnen reagieren auf die sich laufend ändernden Anforderungen zum Wohl der Bäume in Wien.

Erfolgsmodell Gieß-Bags: 11.000 Gießsäcke versorgen Bäume mit Wasser

Unterstützt wird das händische Gießen durch Bewässerungssäcke. Diese so genannten Gieß-Bags werden um den Stamm eines Jungbaumes gelegt und mittels eines Reißverschlusses fixiert. Der Bewässerungssack fasst 75 Liter und besitzt kleine Löcher, durch die das Wasser stetig austritt und langsam in den Wurzelballen einsickert. Mittlerweile sind im Stadtgebiet über 10.850 Stück Gieß-Bags für Jungbäume im Einsatz, die in regelmäßigen Intervallen von den Wiener StadtgärtnerInnen befüllt werden. „Gerade in der sensiblen Anwuchsphase innerhalb der ersten drei Jahre brauchen Jungbäume besonders viel Wasser, da die Wurzeln noch nicht tief genug greifen, um die Pflanzen, im städtischen Bereich, selbst optimal zu versorgen. Daher wird in dieser Phase gegossen“, so Stadtgartendirektor Rainer Weisgram.

Sonderbudget & Raus aus dem Asphalt Förderpaket

Um mehr Bäume hat die Stadt Wien ein Sonderbudget von 8 Millionen Euro für die Bezirke zur Verfügung gestellt. Die Kosten für eine Baumpflanzung im Straßenbereich hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie etwa der Baumart oder dem Standort. Einer der wichtigen Punkte neben Fassadenabständen und Straßenbreiten: die sogenannten Einbauten, also alle Leitungen und Rohre, die unter der Erde verlaufen. In Wien verlaufen diese, im Gegensatz zu anderen europäischen Städten, traditionell nicht in der Straßenmitte, sondern an den Rändern, um bei etwaigen Reparaturen nicht den Autoverkehr zu stören. Dort, wo Baumpflanzungen aufgrund von technischen Einbauten für Wasser, Strom, Fernwärme oder Gas nicht möglich oder sehr teuer sind, greift die Aktion „Raus aus dem Asphalt“. Dabei werden in Absprache mit den Bezirken Asphaltflächen aufgebrochen und mit unterschiedlichen Pflanzen-Modulen bepflanzt: „Damit werten wir Grätzl auf und schaffen auch in stark verbauten Gebieten kleine, blühende Grünoasen. Oft sind es kleine Akzente, die Straßenzüge ein wenig bunter machen und auch Insekten und Schmetterlinge erfreuen “, so Sima. Die Wiener Stadtgärtner haben dazu drei unterschiedliche Module entwickelt, die sich für die unterschiedlichsten Standorte, wie schattig oder sonnig, eignen. Die Aktion „Raus aus dem Asphalt“ ist Teil des Maßnahmenkatalogs für die Bezirke und wird aus dem auf 4,6 Mio. Euro Fördertopf für „Coole Bezirke“ der Stadt Wien unterstützt.

Quelle: Stefan M. Fischer Mediensprecher StRin. Ulli Sima / ots  //  Fotocredit: PID/ Houdek

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