Montag 18. März 2019
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Klimawandel als Herausforderung für Österreichs Wasserversorger

ÖVGW und BOKU präsentieren Studie zur Wasserversorgung in Rekordsommern

  • Klimaveränderung ist neue Herausforderung für den Ressourcenschutz 
  • Mehr Hitzetage pro Jahr – Abdeckung des Spitzenbedarfs wird schwieriger
  • Hochwertiges Trinkwasser als Kernelement der Daseinsvorsorge
  • Bewusstseinsbildung und Maßnahmen für Ressourcenschutz wichtig

Nach den Rekordsommern 2003 und 2015 waren auch die Jahre 2017 und 2018 in Österreich von Extremtemperaturen geprägt. Eine Herausforderung für die Trinkwasserversorgung in Österreich, denn der Klimawandel könnte in den kommenden Jahren zu Nutzungskonflikten führen. Darauf verweist die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) mit der von ihr beauftragten Studie „Wasserversorgung in Rekordsommern“, durchgeführt von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU).

„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein schützenswertes Gut, das verteidigt und sorgfältig behandelt werden muss“, unterstreicht ÖVGW-Präsident Franz Dinhobl den Erwägungsgrund 1 der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Um die Sicherheit der Trinkwasserversorgung auch in Zukunft gewährleisten zu können, fordert die ÖVGW daher die Politik auf, die Instrumente für den langfristigen Schutz der Wasserressourcen an die neuen Herausforderungen anzupassen. Denn der Anstieg der Hitzetage pro Jahr und die damit verbundene Steigerung der Wasserverbräuche lassen erwarten, dass in Zukunft mehr Ressourcen für die Abdeckung des Spitzenbedarfes an Trinkwasser benötigt werden, so die ÖVGW.

Vorsorgen und anpassen

„Österreichs Trinkwasserwirtschaft genießt national und international einen hervorragenden Ruf. Die Basis dafür wurde durch eine seit Generationen etablierte, nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung gelegt. Das darf nicht aufs Spiel gesetzt werden“, so Franz Dinhobl weiter. Mit der soeben publizierten Studie zeigen ÖVGW und BOKU die Auswirkungen der klimatischen Entwicklungen auf die Wasserversorgung in Österreich auf und machen deutlich, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Trinkwasserversorgung in Österreich nachhaltig zu sichern.

Alpenraum vom Klimawandel stark betroffen

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich auch in Österreich immer deutlicher. „Die letzten 20 Jahre waren größtenteils als überdurchschnittlich warm einzustufen. Alle aktuellen Studien zur klimatischen Entwicklung sagen einen weiteren Temperaturanstieg und die Zunahme von Extremereignissen, insbesondere von Hitzewellen, in den nächsten Jahrzehnten in Österreich voraus. Je nach Szenario nehmen die Hitzetage von derzeit rund 20 pro Jahr auf 50 und mehr bis 2100 zu“, so Studienautor Roman Neunteufel vom Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz der BOKU Wien. Die Temperaturzunahme lag im Alpenraum bereits bisher über dem Durchschnitt der Nordhemisphäre. Im Vergleich zum Zeitraum 1971 bis 2000 wird ein weiterer Anstieg um +1,5 °C für den Zeitraum 2021 bis 2050 prognostiziert.

Längere Hitzewellen und Trockenperioden

„Für die Wasserversorgung ist vor allem relevant, wie sich Frühlings- oder Sommertemperaturen und -niederschläge entwickeln“, so Neunteufel. „Die derzeitigen Klimamodelle lassen eine starke Zunahme an Hitzetagen erwarten – längere Trockenperioden haben wiederum großen Einfluss auf den Wasserverbrauch“, so Neunteufel. Laut einer Auswertung der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) vom August 2018 hat die durchschnittliche Dauer einer Hitzewelle in den Landeshauptstädten in den letzten Jahrzehnten um rund zwei Tage zugenommen. Außerdem kommen Hitzewellen mittlerweile deutlich häufiger (+ 50 %) vor als früher.

2018 kam es bereits im Frühjahr an der Alpennordseite und im östlichen Flachland zu einer ausgeprägten Trockenheit. Hier gab es zum Teil nur 30 bis 45 %, kurzfristig und lokal nur bis 15 % der sonst üblichen Niederschläge. In den Sommermonaten war das Niederschlagsdefizit zwar nicht ganz so extrem, aufgeholt konnten die fehlenden Mengen allerdings nicht werden. Am schlimmsten von durchgehenden Niederschlagsdefiziten waren das nördliche Niederösterreich sowie weite Teile Oberösterreichs betroffen.

2018: Verbrauchsspitzen durch private Bewässerungssysteme und Pools

Verbrauchsspitzen zu spüren bekommen vor allem jene Wasserversorgungsunternehmen, die in ihrem Versorgungsgebiet viele Reihen-, Ein- und Mehrfamilienhäuser mit Eigengarten haben. Denn Poolbefüllungen, zunehmend aber auch Bewässerungssysteme privater Haushalte, sind sehr verbrauchsintensiv. „Die Zunahme der Gartenbewässerungsanlagen mit zeitgesteuertem Betrieb führt dazu, dass im Sommer auch in der Nacht die Wasserverbräuche nicht zurückgehen“, so Manfred Eisenhut, Bereichsleiter Wasser der ÖVGW.

Eine aktuelle Umfrage unter 30 ÖVGW-Mitgliedsunternehmen (diese versorgen 3,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner mit Trinkwasser) zeigt, dass 2018 einige Versorger genau dadurch neue, ungewöhnlich hohe Verbrauchsspitzen verzeichneten. Zwar traten bislang noch keine Versorgungsengpässe auf, in einigen Fällen konnte dies aber nur durch Sparmaßnahmen wie Aufrufe im Internet bzw. durch Ergänzung der Einspeisung aus überregionalen Versorgungsnetzen verhindert werden. „Speziell für kleinere Versorgungseinheiten ohne Notverbünde stellen die steigenden Verbrauchsspitzen ein zunehmendes Problem dar“, so Eisenhut weiter. Die Hälfte aller Umfrageteilnehmer weist Ausschöpfungsgrade von über 70 % an verbrauchsreichen Tagen auf.

Für knapp 60 % der Unternehmen sind jedenfalls bereits Veränderungen bemerkbar. Sie geben an, dass zusätzliche Investitionen nötig waren, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bzw. dass weiter in Anpassungsmaßnahmen investiert werden muss.

ÖVGW-Forderung: Wasserversorgung muss im Einflussbereich der öffentlichen Hand bleiben

Mehr Hitzewellen und Trockenperioden bedeuten in Österreich aber nicht per se weniger Trinkwasser. Denn von der theoretisch verfügbaren Wassermenge verwenden Österreichs Haushalte weniger als 1 %. Bei einer Verknappung der Wasserressourcen können aber regional Nutzungskonflikte drohen – etwa zwischen Landwirtschaft, Industrie und Trinkwasserversorgern – daher fordert die ÖVGW Studien unter Beteiligung aller Betroffenen, die Antworten auf die wichtigsten Fragen geben können und dann zu entsprechenden Maßnahmen führen. „Der Trinkwasserversorgung muss dabei aber Vorrang eingeräumt werden“, betont Dinhobl.

Besonders wichtig ist der ÖVGW, dass Wasser auch in Zukunft im Einflussbereich der öffentlichen Hand bleibt. Die Wasserversorgung stelle das Kernelement der Daseinsvorsorge dar und Wasser sei das wichtigste Lebensmittel – höchste hygienische Qualität habe für die Bevölkerung daher oberste Priorität. Das Einspeisen von Wasser durch verschiedene Versorger in ein und dasselbe Leitungsnetz sei nicht sinnvoll möglich, da zu viele Qualitäts- und Haftungsfragen offen blieben.

Weitere Empfehlungen zur Versorgungssicherheit von ÖVGW und BOKU sind:

  • Auch für kleine und kleinste Wasserversorger sollte ein zweites Standbein der Wassergewinnung zum Standard werden. So könnte das Ziel einer 100 %-Ausfallsbedarfsdeckung aller Wasserversorgungsunternehmen erreicht werden.
  • Die bisherigen Verbesserungen, wie etwa Vernetzung, Schaffung zusätzlicher Ressourcen, Aufbereitung von Ressourcen, die sonst nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind, sollten weitergeführt werden.
  • Die verfügbaren Gesamtkapazitäten und Ausfallssicherheiten sollten nicht nur für einzelne Wasserversorgungsunternehmen, sondern integriert über die Verbundsysteme und Regionen betrachtet werden. Eine regional integrierte Wasserversorgungsplanung soll insbesondere auch eine Bestandsaufnahme verfügbarer Ressourcen, eine Ressourcennutzungsplanung, eine Aufnahme bestehender Wassernutzungen (auch andere Nutzer als die Wasserversorgung) und Prognosen des zukünftigen Wasserbedarfs umfassen.

Quelle: OTS  //  Fotocredit: ÖVGW/APA-Fotoservice/Hörmandinger