IGP Dialog - Zukunftsfähige Landwirtschaft sollte Brücken schlagen

IGP Dialog - Zukunftsfähige Landwirtschaft sollte Brücken schlagen

Nur gemeinsame Diskussion und das Nutzen der Vorteile aller Bewirtschaftungsformen ermöglicht eine überlebensfähige Landwirtschaft in Österreich

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) hat am 21. November 2019 ihren sechsten IGP Dialog veranstaltet. Nach einer Begrüßung durch IGP-Obmann Christian Stockmar und einer einführenden Keynote von Johannes Mayr von der KeyQUEST Marktforschung GmbH diskutierten drei hochkarätige Experten zum Thema "Not in my backyard: Wo findet die Landwirtschaft von morgen statt?". Olga Voglauer (Die Grünen), Lorenz Mayr (LK Niederösterreich) und Andreas Steidl (REWE) kamen dabei überein, dass die Landwirtschaft von morgen auch in Österreich stattfinden wird. Für eine zukunftsfähige heimische Landwirtschaft sollten aber mehr Brücken zwischen integrierter und biologischer Landwirtschaft gebaut, die Rahmenbedingungen für die Landwirte verbessert und die Vorteile beider Bewirtschaftungsformen genützt werden. Festgestellt wurde zudem, dass die heimische Landwirtschaft die eigenen Leistungen nicht relativieren solle, sondern sagen muss: "Wir sind die Besten!" Durch die Veranstaltung in der Wiener Labstelle mit rund 80 Gästen führte Timo Küntzle. Im Zuge der Veranstaltung wurde auch die neue Schriftenreihe zum IGP Dialog präsentiert, um die unterschiedlichen Redebeiträge zugänglich zu machen. Damit leistet die IGP einen weiteren wichtigen Beitrag zu einem offenen und sachlichen Dialog über die Landwirtschaft und die Versorgung mit Lebensmitteln.

Stockmar: Europa droht der Verlust der Selbstversorgung

Die Zahlen des Grünen Berichts 2019 sind alarmierend: Demnach beträgt der Selbstversorgungsgrad bei Getreide 86 Prozent bei Gemüse 56 Prozent, bei Obst 40 Prozent und bei pflanzlichen Ölen 27 Prozent. Bei der Kartoffel ist der Selbstversorgungsgrad zwischen 2011/12 und 2017/18 von 105 auf 80 Prozent gesunken. Im Jahr 2018 waren 70 Prozent der Kartoffelernte durch einen Drahtwurmbefall für den Handel unverkäuflich. Es stellt sich daher die Frage, so IGP-Obmann Christian Stockmar, wo die Lebensmittel bereits heute produziert werden. "Hinzu kommt, dass die FAO heuer verkündet hat, dass die Getreidenachfrage erstmals seit vielen Jahren die Produktion übersteigt. Vor allem beim Getreide sind aber in den nächsten Jahren weitere Wirkstoffverluste zu erwarten. Europa droht also der Verlust der Selbstversorgungsfähigkeit", unterstreicht Christian Stockmar. Das wiederum führt in den Herkunftsländern zu insbesondere sozialen Problemen wie etwa zuletzt bei den Kartoffeln, die durch den Export nach Europa für viele Menschen in Ägypten nicht mehr leistbar waren.

Keynote: Weder Landwirte noch Konsumenten haben Versorgungssicherheit im Blick

Wenn man die Studien und Umfragen der letzten Jahre betrachtet, so Johannes Mayr von der KeyQUEST Marktforschung GmbH, ergeben sich beim Konsumenten zwei grundsätzliche Aussagen: "Die Versorgungssicherheit wird als gegeben angesehen. Es geht nicht darum, dass man satt wird, sondern darum, wie man satt wird. Und die Landwirtschaft ist zudem sehr positiv besetzt, solange sie nicht technikorientiert ausgerichtet ist." Auch bei den Landwirten gehe es nicht um Versorgungssicherheit, so Mayr. "Die Landwirtschaft ist äußerst heterogen und Landwirte verfolgen sehr unterschiedliche Ziele und Strategien. Das wichtigste Ziel für jeden Landwirt ist daher ein passendes Geschäftsmodell, um das Überleben zu sichern. Die Versorgungssicherheit spielt dabei kaum eine Rolle." Mayr kommt daher zu dem Schluss, dass "die Landwirtschaft von morgen entweder markt-, kunden- und konsumentenorientiert ist oder bei uns gar nicht mehr stattfindet."

Diskussion: Brücken bauen und Rolle als Musterschüler stärker wahrnehmen

Olga Voglauer, Nationalratsabgeordnete bei den Grünen, geht davon aus, dass die Landwirtschaft von morgen auch in Österreich stattfinden wird. "Österreichs Landwirtschaft ist bunt und facettenreich. Für die Zukunft müssen wir aber unsere Hausaufgaben machen. Zuallererst müssen wir Brücken bauen zwischen den Bewirtschaftungsformen. Da sind alle gefordert und es werden sich auch alle in der Diskussion und in punkto Lösungen bewegen müssen. Ein weiterer Clue wird sein, die Wachstumsbetriebe und die etablierten Betriebe mit ihrem jahrzehntelangen Know-how zueinander zu bringen. Dann sollte die heimische Landwirtschaft auch international das Selbstbewusstsein haben und sagen: Wir sind die Besten."

Lorenz Mayr, Landwirt und LK-Vertreter, betont dazu, dass es auch die richtigen Rahmenbedingungen brauchen wird, damit die Landwirtschaft von morgen lebensfähig ist: "Es braucht gleiche Standards für alle Produkte im Regal. Wir wollen in Österreich ja die kleine und regionale Landwirtschaft fördern, das wird aber nicht gelingen, wenn im Handel daneben das Billigprodukt aus dem Ausland liegt. Denn wenn wir Landwirte nicht verdienen, was notwendig ist, werden wir bei der Erhaltung der heimischen Landwirtschaft Probleme bekommen. Auch wenn das viele glauben, aber wir sind keine Kleingärtner." Lorenz Mayr verweist dabei auch auf die Diskussion um die Rettung des Amazonas: "Wir müssen einen Teil unserer Lebensmittel dort produzieren, weil bei uns die richtigen Werkzeuge fehlen, um unsere Ernte zu schützen. Wir verlagern damit unsere Probleme in andere Länder."

Andreas Steidl, Geschäftsführer von Ja! Natürlich, verweist auf die Konsumentenwünsche und die drei generellen Kundengruppen: "Es gibt einige, die brauchen äußerlich nicht immer das perfekte Produkt und die kaufen auch vermehrt Bio. Dem Käufer vorwiegend konventioneller Ware wiederum ist das Aussehen nicht egal. Die dritte Gruppe sind die Preiskunden. Bei ihnen ist die Produktionsform grundsätzlich nebensächlich. Aber alle drei Gruppen wollen und bekommen ihr Angebot." Für die Zukunft der Landwirtschaft fordert Steidl alle zum Mitgestalten auf: "Wenn sich jemand Änderungen versperrt, wird er bald weg sein. Denn Einheitskonzepte funktionieren nicht mehr.

Quelle: Kapp Hebein Partner GmbH Presse IndustrieGruppe Pflanzenschutz / ots  //  Fotocredit: Georges Schneider/IGP

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